English translation by Werner Wallner
Article Courtesy of the SNHF Library

BERLINER
No. 35 1857
Allgemeine Gartenzeitung.
Herausgegeben
vom
Professor Dr. Karl Koch,
General-Sekretair des Vereins zur Befördertung des Gartenbaues In den Königl. Preussischen Staaten.

Inbalt: Die Bouché'schen Nymphäen-Blendlinge im Borsig'schen Garten zu Moabit bei Berlin. Vom Professor Dr. Karl Koch. -- Die Kartoffel aus Algier. Vom Obergärtner Reuter in der Landesbaumschule bei Potsdam. -- 357. und 358. Versammlung des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues am 26. Juli und am 30. August. -- Bücherschau: The ferns of Great-Britain and Ireland by Thomas Moore. -- Die neuesten Linden'schen Pflanzen. -- Verkauf von Pflanzen und Gewächshäusern in Paris.


Image from Flore des serres et des jardins de l’Europe
Gand, L. van Houtte, 1854-1855
Meemelink

Die Bouché'schen Nymphäen-Blendlinge
im Borsig'schen Garten zu Moabit bei Berlin.

Von dem Professor Dr. Karl Koch.

Wer jetzt von Pflanzen - und Blumenliebhabern nach Berlin kommt, versäume ja nicht den Borsig'schen Garten zu Moabit zu besuchen. Wenn derselbe auch zu jeder Zeit seine besonderen Schönheiten, besitzt und in der That in seiner Art ausgezeichnet ist, so bietet er doch jetzt und noch tief bis in den Herbst hinein einen Genuss dar, wie wir vergebens wohl, nicht allein auf dem Festlande, sondern auch in England und Schottland, ihn suchen. Freilich möchten auch nur wenigen Gartenbesitzern die Mittel in jeglicher Hinsicht so zu Gebote stehen, als es hier der Fall ist.

Es befinden sich nämlich inmitten des Gartens, der auf der einen Seite dicht an die Spree gränzt, Wasserbassins in angenehmen Konturen sich abschliessend, und erhalten ihren Inhalt aus den Eisen-Fabriken, die ganz in der Nähe liegen. Dasselbe Wasser, was der Mensch sich dort dienstbar gemacht hat, um dem harten Eisen beliebige Formen zu geben, dient hier nun lieblichen Blumen zum Aufenthalte. Da es direkt aus den Dampfkesseln ausströmt und nur einen kurzen Weg zu durchlaufen hat, so besitzt es, sobald es in den besagten Behältern angekommen ist, immer noch eine Wärme von 40 and 50 Grad R. Der Besitzer hat Goldfische in das Wasser gethan, die sich sehr wohl befinden und sich am Liebsten an den Stellen in der Mitte aufhalten. wo das Wasser emporsprudelt, also noch am Wärmsten ist. Ausserdem aber befinden sich allerhand Nymphäen darin, auch unsere einheimischen, vor Allem aber die Blendlinge, welche der Inspektor des botanischen Gartens, Karl Bouché, hauptsächlich aus Nymphaea rubra und Lotus, erzogen hat.

Ich rathe Jedermann, der sich den seltenen Genuss machen will, etwas zu sehen, was ihm, wie gesagt, sonst nirgends geboten wird, schon früh die Wanderung nach Moabit anzutreten, so dass er bis gegen 10 Uhr sich an Ort und Stelle befindet. Kommt man später, so schliesst sich eine Blume nach der andern, bis diese sämmtlich gegen Mittag herum ihr prachtvolles Innere den Blicken der Schauenden entzogen haben. Hat man aber die angegebene Zeit gewählt, so kann man in der That sich nichts Schöneres und Prachtvolleres denken, als diese Hunderte von Blumen in allen Nuancirungen vom reinsten Weiss bis in das schönste Roth und Violett und umgeben von den freudig grünen und wohlgefällig geformten Blättern. Man wähnt gar nicht mehr in dem rauhen Norden zu sein und fühlt sich versetzt in die Heimath der Lotuspflanzen hin nach den Gestaden des Nil's und des Ganges. Aber selbst dort kann dem Beschauer nicht das dargeboten werden, was er hier zu sehen Gelegenheit besitzt. denn Niemand hat sich die Mühe gegeben, durch Kunst neue und andere Farben in den Blumen hervorzurufen. Es würde aber auch nicht gehen, denn die weissen Wasserrosen des Nils sind zu entfernt von den rothen des Ganges, um eine gegenseitige Befruchtung ohne vorherige Uebersiedelung der einen zu der andern zu ermöglichen.
Noch eigenthümlicher ist die Erscheinung der im Freien blühenden Nymphäen, wenn man im Spätherbste und selbst noch im Anfange des Winters in den Borsig'schen Garten kommt und nun auf einmal noch schöne südländische Blumen in seltener Flor erschaut, während die kalte Jahreszeit, oft schon der Frost, selbst einheimischen Pflanzen das Laub entrissen hat. Das warme Wasser der Behälter erhält fortwährend auch die Temperatur der Luft unmittelbar über demselben stets bis zu einem Grade, dass die Nymphäen gut existiren können.

Da es bis jetzt zweifelhaft ist, ob die Nymphäen Blendlinge im Freien ausdauern, so werden die Knollen derselben im Spätherbste aus dem Schlamme des Teiches herausgenommen, in flache Töpfe gepflanzt, in ein warmes Haus von 10 bis 12 Grad Wärme gestellt und nur soviel begossen, dass die sehr lehmhaltige Erde nicht austrocknet. Lässt man sie unter Wasser stehen, so tritt keine Ruhezeit ein; sie treiben allmählig Blätter und entkraften sich.

Ende Februar werden die Knollen in frischer Erde, die aus 2 Theil Lehm, 1 Theil Haideerde und 1 Theil Sand besteht, verpflanzt, in einem warmen Wasserbassin angetrieben und Mitte Mai ins Freie ausgepflanzt oder mit angemessen grossen Gefässen in den Teich eingesenkt.

Wenn auch schon anderwärts, so namentlich in England und in Belgien, in welchem letzteren Lande namentlich der jetzige Obergärtner Ortgies im botanischen Garten zu Zürich, zur Zeit seines Aufenthaltes in der Gärtnerei von van Houtte zu Gent sich Verdienste um die Zucht von Nymphäen-Blendlingen erworben hat, gelungene Versuche mit Kreuzungen zwischen der weissblühenden Nymphaea Lotus des Nils und der rothblühenden N. rubra des Ganges gemacht sind, so doch nirgends in dieser Ausdehnung und Vollkommenheit, wie sie in den Jahren 1852 und 1853 durch den Inspektor Bouché in dem Königlichen botanischen Garten ausgeführt wurden. Alle Blumenliebhaber, namentlich diejenigen, welche die Mittel haben, um sich besondere Häuser zur Aufnahme der Wasserpflanzen erbauen zu können, werden deshalb ihm besonders dankbar sein, aber gewiss auch nicht weniger die, die die Blendlinge in andern Gärten erschauen. Man möchte nur wünschen, dass der Inspektor Bouché, der sich einmal Erfahrungen in ihrer Heranziehung gesammelt hat, die Versuche noch weiter fortsetzen wollte. Wir besitzen auch blaublühende Nympäen, die mit den Blumenstaub der roth- und weissblühenden oder umgekehrt diese mit dem Blumenstaube der ersteren befruchtet, gewiss auch, nicht allein in der Farbe, sondern auch in der Form der Blume selbst, interessante Blendlinge hervorrufen würden. Ganz besonders möchte ich auf die neuholländische Nymphaea gigantea aufmerksam machen, zumal diese grade am Tage blüht, wo jene ihre Blumen geschlossen haben. Sollte nicht auch einmal eine Kreuzung der Victoria regia mit der letzteren möglich sein?

Die Zahl der von dem Inspektor Bouché überhaupt gezogenen Blendlinge beträgt 16. Davon sind 7 dadurch erhalten, dass die Blüthen der Nymphaea rubra mit dem Blumenstaube der N. Lotus befruchtet wurden, während die übrigen durch Befruchtung der Blüthen der dadurch entstaudenen Blendlinge wiederum mit dem Blumenstaube der Nymphaea Lotus gezüchtet worden sind. Sie haben meist nach Personen Namen erhalten, die in irgend einem Verhältnisse zu dem botanischen Garten stehen, oder sich mit der Kultur der Wasserpflanzen beschäftigen.

I. Reine Blendlinge.

1. Gustav Fintelmann (Hofgärtner auf der Pfaueninsel bei Potsdam). Hat die dunkelste Farbe und unterscheidet sich von der Mutterpflanze nur wenig. Die Staubfäden besitzen jedoch eine braune Farbe.
2. Dr. Klotzsch (Kustos des Königlichen Herbariums). Die Farbe der Blumenblätter ist ein helles Purpur, die Staubfäden sind aber rothbraun.
3. Dr. Caspary (früher Privatdozent in Berlin, jetzt in Bonn). Die Farbe der Blumenblätter erscheint etwas
dunkler, als bei dem vorigen Blendlinge, die der Staubfäden ist aber ebenfalls rothbraun.
4. Professor Dr. K. Koch (Adjunkt des Direktor am botanischen Garten). Die Blume steht in der Färbung zwischen Nr. 1 und 3, gleicht aber der ersteren doch mehr und besitzt deshalb auch braune Staubfäden.
5. Nymphaea Boucheana. Sie besitzt ein sehr zartes Rosa, zumal die innersten Blumenblätter ganz weiss sind, aber gelbe Staubfäden. Der Blendling ist bereits auf der 1033. Tafel und im 10. Bande der Flore des Serres abgebildet.
6. Theodor Jannoch (Garten-Gehilfe im botanischen Garten, unter dem die Wasserpflanzen speciell gestellt sind). Eine prächtige und grosse Blume von Rosafarbe. die der von van Houtte in Flore des Serres (im VIII. Bande auf der 775. Tafel) abgebildeten N. Ortgiesiana rubra, die wiederum von N. Devoniensis nicht verschieden ist, etwas gleicht.
7. Adele. Die Blume besitzt eine reine Purpurfarbe aber orangenfarbige Staubgefässe.

II. Doppelt-Blendlinge.

8. Königin Elisabeth. Sehr grosse und schöne Blüthen mit rosafarbigen Blumenblättern und gelben Staubfäden.
9. Generaldirektor Lenné (der Königl. Gärten in Sanssouci), ähnelt Nr. 5 und besitzt ebenfalls ein ausserordentlich zartes Rosa, was in der Mitte fast in ein reines Weiss übergeht. Die Staubfäden sind wiederum gelb.
10. Professor Dr. Braun (Direktor des botanisclien Gartens). Die Blüthe zeichnet sich durch ihre sehr breiten Blumenblätter aus, die eine blassrothe Farbe haben, aber in der Mitte einen weissen Streifen besitzen. Die Staubfaden sind gelb.
11. Van Houtte (Chef und Eigenthümer der grossen Gartnerei in Gent). Die Blüthe ist rosa, hat aber einen bläulichen Anflug. Die Staubfäden besitzen jedoch eine braune Farbe.
12. Geheimer Kommerzienrath Borsig (Gründer der grössten Eisenwerke in Deutschland zu Berlin). Die Blumenblätter haben eine helle Rosafarbe.
13. Th. Nietner (Hofgärtner in Schönhausen bei Be rlin). Purpur ist die Farbe der Blumenblätter, aber mit einem bläulichen Anfluge. Die Staubfäden sind orangenfarbig.
14. Wendland (Hofgarten-Inspektor in Herrenhausen bei Hannover). Ächnelt im Allgemeinen Nr. 6, die Farbe ist aber doch mehr ein helles Purpur. Die Staubfäden sind ockerfarbig.
15. L. Mathieu (Kunst- und Handelsgärtner in Berlin). Die Blumenblätter sind rosafarbig, haben aber einen bräunlichen Anflug; die Staubgefässe besitzen eine Orangenfarbe.
16. Friedericke. Dem vorigen Blendlinge ähnlich. aber etwas dunkeler in der Farbe. Die Staubfäden sind ockerfarbig.

The Bouché Nymphaea Hybrids
English translation
by Werner Wallner

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